Wie alles begann...

Erste "Umschulungen"
1946 aber organisiert der 1919 geborene Ingenieur Johann Peters in Mühldorf am Inn eine Werkstatt in einer Baracke aus demontierten Eisenbahnschwellen und einem bis zum Erdgeschoss ausgebombten Haus: Dort baut er mit Kriegsversehrten Geräte und schult einige auf Metallberufe um. Seine Unternehmung kommt so richtig in Fahrt, als die Münchner Firma Deckel auf den Plan tritt, die für Fotoapparat-Verschlüsse einen Zulieferer sucht.

Im festen Glauben, dass auch Schwerbehinderte wieder vollwertig arbeiten können, wenn sie nur richtig rehabilitiert und eingesetzt werden, baut er den kleinen Reparaturbetrieb aus. Obwohl es an allem fehlt, findet er immer wieder neue Quellen für Material und Ersatzteile. In dieser Zeit des chronischen Hungers gibt es für Betriebsangehörige zusätzliche Lebensmittelmarken – als Exportbonus. Auf 240 Quadratmetern arbeiten schließlich 40 Behinderte für die Firma.

Neue Chancen auch für Querschnittsgelähmte
1954 zieht der expandierende Betrieb nach Waldkraiburg um: Eine junge Stadt aus dem Nichts von Flüchtlingen erbaut, während des Krieges als Produktionsstätte für Pulver auf keiner Karte zu finden. Mitte der 50er Jahre kommen zu den Kriegsversehrten die Unfallgeschädigten. Deshalb wagt sich Johann Peters 1958 daran, Querschnittsgelähmte beruflich zu rehabilitieren – anfangs belächelt von Ärzten und Versicherungsträgern. Derartige Verletzte schienen keine regelmäßige Tätigkeit mehr ausüben zu können. Johann Peters aber nimmt Kontakt mit Sir Guttmann auf, dem Direktor des Stoke Mandeville Hospital in England, einem deutsch-jüdischen Arzt, der nach England emigriert ist. Er hat nach dem Krieg eine Methode entwickelt, Querschnittsgelähmte zu behandeln.

Mit dieser Methode und gezieltem Schwerbeschädigten-Sport überwindet Peters das Misstrauen. Querschnittsgelähmte arbeiten letztendlich nach ihrer Ausbildung oder Anlernung an einem normalen Arbeitsplatz in der Industrie.

Anerkennung für die Verdienste um das Gemeinwohl
 
Johann Peters hatte die Vision, behinderte oder benachteiligte Menschen beruflich und sozial zu rehabilitieren und zu integrieren. Dies ist ihm gelungen: Bis zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1998 hatten nicht weniger als 20.000 Umschüler im BFZ Peters einen neuen Beruf erlernt. Für sein herausragendes Lebenswerk wurde Johann Peters auch von staatlicher Seite mehrfach ausgezeichnet. 1977 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1980 den Bayerischen Verdienstorden sowie 1983 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.
 
 
Auch Johann Peters Tochter, Inge Effenberger-Peters, trat in die Fußstapfen ihres Vaters und machte sich mit unternehmerischen und sozialem Engagement um das Gemeinwohl verdient. Von Anfang der 90er Jahre bis zu ihrem 65. Geburtstag im Jahr 2006 war sie in der Geschäftsleitung des BFZ Peters und nach der Gründung der Berufsförderungsinstitute Peters auch dort als geschäftsführende Gesellschafterin tätig. Im Jahr 2002 gründete sie zum Andenken an ihren im selben Jahr verstorbenen Vater die Johann Peters Stiftungsgesellschaft. Inge Effenberger-Peters wurde für ihr Lebenswerk 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
 
Auf dem unteren Bild v.l.: Christa Stewens, damalige Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen sowie Frau Inge Effenberger-Peters

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